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Das Unterrichtskonzept

Der künstlerisch tätige Mensch

Es gibt kein Leben ohne gestaltete Form. Jede Form von Bildung ist immer auch „Selbstformung“, die im künstlerischen Prozess sichtbar umgesetzt und als Kunstwerk erscheint.
Im Außenraum, z.B. auf einer Leinwand, nimmt dasjenige Gestalt an, was sich im Innenraum des Menschen aufgrund seiner Teilnahme an der Lebenswelt und damit seiner Lebenserfahrungen geformt hat. Folglich bewegt sich jeder Mensch zwischen innerem Erleben und der Verwirklichung im Äußeren.
Der Mensch ist so veranlagt, dass er durch seine Sinne auf jede formgewordene Lebensäußerung (Gestalt – Bewegung – Farbe) reagiert. Dieses Bedürfnis und diese Fähigkeit wohnen ihm seit Geburt inne. Hieraus entsteht auch das Interesse an Formen in unserer Umgebung und folglich auch das eigene Bedürfnis, selbst ein Formender, ein Gestaltgeber zu werden. 
Da sich die künstlerischen Gestaltungsanlässe nicht aus der Kunst selbst ergeben, sondern aus der Lebenswelt jedes einzelnen Menschen, ist dasjenige, was für das Leben gilt, gleichermaßen auch für den künstlerischen Prozess gültig.

Ein Maler betrachtet während seiner Arbeit immer wieder Formen und Farben als „sein Gegenüber“ auf der Leinwand. Er ist mit ihnen „im Dialog“, er findet sich konfrontiert mit den Formen und Farben, die zwar ursprünglich aus seinem Inneren aufgestiegen sind, jedoch immer mehr für sich und von sich selbst sprechen.
Mit guter Konzentration kommt der Maler in die Anschauung über das Geschaffene und versucht, sich darüber ein Urteil zu bilden. Seine Urteilsfähigkeit entscheidet schließlich darüber, ob überhaupt oder auf welche Weise weiterzuarbeiten ist.
Der künstlerische Arbeitsprozess ist daher ein „anschauliches Tun“, ein „Sehen-und-Erkennen-Lernen“. Auf diese Weise wird sich über lange Zeit, die häufig auch die eine oder andere Krise beinhalten mag, eine persönlich-künstlerische Handschrift herausbilden, die von Sicherheit und Freude geprägt ist.
Die eigene Urteilsfähigkeit des Künstlers ist folglich die wichtigste Grundlage für seine Arbeit.



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Sinn und Notwendigkeit einer bildnerischen Lehre

Künstlerisches Tun entsteht durch Begreifen, weniger durch Verstehen. Begreifen hat etwas mit den Händen, mit Handeln, d.h. mit selbstgemachten Erfahrungen zu tun. 
Stellen wir uns vor, jemand hätte den Wunsch, Schlittschuhfahren zu erlernen. Er könnte mit Sicherheit Vieles in einem Lehrbuch dazu nachlesen und wäre so in der Lage, sich eine Vorstellung über diesen Sport zu bilden. Letztenendes wird es jedoch immer unerlässlich sein, das theoretische Wissen durch selbst erlebte Erfahrungen zu vervollständigen.
Ähnlich verhält es sich mit dem Pianisten, der bei einem Konzert mit größter Leichtigkeit spielt und seine Zuhörer verzaubert. Wie viele Jahrzehnte der harten Arbeit und damit Erfahrung im Klavierspiel mögen diesem Erlebnis vorausgegangen sein?
Um künstlerische Fähigkeiten herauszubilden, ist es gleichermaßen notwendig, dass entsprechende Übungen stattfinden, die zu unerlässlichen eigenen Erfahrungen werden.

Wir alle möchten uns in unserem künstlerischen Schafften weiterentwickeln und streben nach „Qualität“ in unserer Kunst. Auf welche Weise kann diese Qualität erlangt werden? Wodurch entsteht sie? Was macht sie aus? Was ist ihr Fundament?
Kunst entsteht in letzter Konsequenz immer aus dem Handwerk, aus erübten Erfahrungen der unterschiedlichen Gestaltungsprinzipien der Kunst.
Damit ist das „Sich-selbst-Erfahren“ im Erüben der bildnerischen Gesetzmäßigkeiten gemeint. Somit ist es von großer Bedeutung, sich intensiv mit Komposition und Proportion, also dem Zusammenspiel von Farbe, Form und Licht zu beschäftigen.
Erst durch diese Übungen entsteht eine Bewegungsfreiheit im Schaffensprozess. Die vielen verschiedenen Möglichkeiten, die sich bildnerisch auftun, überraschen und erstaunen uns. Durch diese Erfahrungen lernt der Kunstschaffende sich schließlich immer mehr selbst kennen - und als Folge davon: sich selbst zu vertrauen! Die Phantasie als Kunstkraft eines jeden muss eine solche Schulung durchlaufen - und erst dann können sich Qualität und gleichermaßen Talent zeigen.

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